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Risiko Dauerkatheter

20.07.2018

Als zentrale Maßnahme zur Prävention von Harnwegsinfektionen nennt die Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) in ihren 2015 veröffentlichten Empfehlungen die Vermeidung unnötiger Dauerkatheterisierungen. Die BDH-Klinik Braunfels setzt seitdem verstärkt auf Einmalkatheter.

Risiko Dauerkatheter

Mit einem Anteil von 23,2 Prozent sind Harnwegsinfektionen nach Angaben der KRINKO1 die zweithäufigsten nosokomialen Infektionen. 80 Prozent davon – die deshalb auch als CAUTI (catheter associated urinary tract infections) bezeichnet werden – sind mit einem Dauerkatheter assoziiert. Täglich erwerben drei bis zehn Prozent der transurethral katheterisierten Patienten neu eine asymptomatische Infektion der Harnwege – nach 30 Tagen ist eine solche bei der Mehrzahl der Patienten über eine erhöhte Bakterienzahl im Urin nachzuweisen. Daraus entwickelt sich bei etwa zehn Prozent der Patienten eine symptomatische aszendierende Harnwegsinfektion, für die der transurethrale Dauerkatheter nach Einschätzung der KRINKO somit den bedeutendsten Risikofaktor darstellt. Infolge einer CAUTI verlängert sich die Dauer einer stationären Behandlung, von ihr betroffene Patienten unterliegen einer erhöhten Morbidität und Mortalität. Zudem verursacht sie erhebliche Zusatzkosten. Aus diesen Gründen kommt der Prävention dieser Infektion große Bedeutung zu – und tatsächlich ließen sich den von der KRINKO ausgewerteten Studien zufolge durch geeignete Präventionsmaßnahmen bis zu 70 Prozent aller CAUTI verhindern.

Kathetereinsatz auf dem Prüfstand
Die BDH-Klinik Braunfels, Fachklinik für Neurologie und neurologische Rehabilitation, hat die 2015 herausgegebenen Empfehlungen der Kommission zum Anlass genommen, den Umgang mit diesem Thema im eigenen Haus auf den Prüfstand zu stellen. „Wir haben dazu eine Projektgruppe gegründet und gehen zunächst in der Station, in der wir auch die Surveillance, also Überwachung, für Harnwegsinfektionen durchführen, dieses Thema gezielt an“, erläutert Bärbel Markgraf, Hygienefachkraft und Krankenschwester an der Klinik. „Coloplast-Mitarbeiterin Bianca Schmitt, die uns im Bereich der Kontinenzversorgung unterstützt, hat in Kooperation mit unserer Hygieneabteilung die Mitarbeiter der Station umfassend geschult – gerade auch, was den Einsatz von Kathetern angeht.“ Dies korrespondiert mit der Aussage der KRINKO, dass es zur Prävention von CAUTI besonders wirksam ist, unnötige Katheterisierungen zu vermeiden, täglich die Indikation zu überprüfen und – wenn doch ein Katheter nötig ist – seine Liegedauer auf ein Minimum zu beschränken. Zudem sei zur Prävention von katheterassoziierten Infektionen ein intermittierender Katheterismus, wo immer dies praktikabel ist, einem Blasenverweilkatheter vorzuziehen. Dementsprechend empfiehlt die Kommission, vor jeder Anwendung eines Blasenverweilkathe­ters zu überprüfen, ob alternativ nicht ein aseptischer, intermittierender Einmalkatheterismus infrage kommt.

Gute Erfolge mit Einmalkathetern
„Die Patienten kommen so gut wie immer mit einem Dauerkatheter bei uns auf die Station, der oft auch schon acht bis zehn Wochen liegt“, berichtet Bärbel Markgraf. „Früher haben wir, wenn wir nach Ziehen eines Blasenkatheters Harnverhalt oder große Mengen von Restharn festgestellt haben, sehr schnell wieder einen Dauerkatheter gelegt. Heute vermeiden wir dies möglichst und arbeiten stattdessen mit Einmalkathetern. Den Katheter selbst zu legen, ist unseren oft halbseitig gelähmten neurologischen Patienten allerdings nicht möglich – stattdessen führen die Schwestern und Pfleger einen intermittierenden Fremdkatheterismus durch. Es dauert zwar eine Weile, den Patienten den Restharn abzutrainieren, aber wenn wir ihnen ein bisschen Zeit geben, haben wir gute Erfolge damit.“

*Alle Angaben nach: Prävention und Kontrolle Katheter-assoziierter Harnwegsinfektionen: Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut, Bundesgesundheitsbl. (2015) 58: 641. https://doi.org/10.1007/s00103-015-2152-3, sowie dort zitierten Quellen

Dieser Text wurde uns mit freundlicher Genehmigung von der Coloplast GmbH zur Verfügung gestellt. Medium: Collegial 2/2018, Thema: KRINKO-Empfehlungen, Redaktion: Dr. Gerd Röder
 

  • Bärbel Markgraf

    Bärbel Markgraf
    Hygienefachkraft und Krankenschwester
    Hubertusstraße 3-7
    35619 Braunfels
    Telefon0 64 42 / 9 36 - 0

Über den BDH Bundesverband Rehabilitation

Der BDH, der große deutsche Sozialverband und Klinikträger, ist führend auf dem Gebiet der Rehabilitation von neurologischen Patienten. Der bietet BDH soziale und sozialrechtliche Beratung und professionelle Vertretung vor Behörden und den Instanzen der Sozialgerichtsbarkeit sowie ehrenamtliche soziale Betreuung an.

Der BDH hat in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg auf dem Gebiet der neurologischen Rehabilitation Pionierarbeit geleistet und Einrichtungen gegründet, die bis heute Maßstäbe setzen und von allen gesetzlichen und privaten Krankenkassen, den Berufsgenossenschaften, Rentenversicherungen und Versorgungsämtern sowie der Bundesanstalt für Arbeit in Anspruch genommen werden. In der Trägerschaft des BDH befinden sich heute fünf über ganz Deutschland verteilte neurologische Kliniken. Dazu kommen das Rehabilitationszentrum für Jugendliche in Vallendar und das Neurologische Therapie- und Beratungszentrum Offenburg.

Die stationäre neurologische Rehabilitation in den BDH-Kliniken nimmt einen wichtigen Stellenwert innerhalb des Leistungsangebotes des BDH ein, um Menschen nach einem Unfall oder sonstiger neurologischer und geriatrischer Krankheit Unterstützung auf dem Weg zurück ins Leben zu bieten.